Rezension: La Vie Bohème - Ein musikalischer Liebesbrief an das Leben

30. September 2026

Einen besseren Auftakt in die neue Kuwi Saison hätte es nicht geben können. Eine bis auf den letzten Platz gefüllte Aula war in ein Varieté vergangener Zeiten verwandelt dank der Schülergruppe um Musiklehrer Morten Kollstede. Der neue Vorhang prangte in laufend wandelnden Farbkompositionen. Tango, Gypsi, Swing und Valse ließen einen Abend lang den Alltag vergessen.

Einen musikalischen Liebesbrief hatte die Band um Anja Baldauf (Akkordeon, Melodion), Raffael Müller (Gitarre), Dennis Wendel (Kontrabass) und Stefan Baldauf (Schlagwerk) mitgebracht.  Das bekannte Lied „Bel Ami“ von Theo Mackeben versetzte das Publikum auf Anhieb in die richtige Stimmung. Die in der von Anja Baldauf selbst komponierten Liebeserklärung „L’Amité“ an ihre Kollegen und Freunde sprach für die intensive Zwiesprache der Künstler durch das ganze Programm.

Es war nicht nur die musikalische Weltreise von Argentinien über Berlin, Paris bis zum Balkan sondern auch die Geschichten von Emotionen und Sehnsucht darum herum, die die Zuhörer in Bann zogen.  Mit der Eigenkomposition eines Tangos  gelang  es einem Sizilianer schließlich, die Liebste nach langem vergeblichen Werben zu erobern oder  die ins Programm aufgenommene traurige  Ballade , einst gesungen von einer  Mutter mit ihrem kleinen Sohn am Straßenrand irgendwo im Balkan.    Mit „Minor Swing“ bereitete die Band Django Reinhardt die große Bühne. Die Soli wurden begeistert beklatscht, besonders die witzige Dramaturgie des Schlagzeugers Stefan Baldauf, aber auch ein Bolero von Django Reinhardt, performed von Raffael Müller, dessen Finger nur so über die Saiten flogen.  Sensationell auch Dennis Wendel mit seinem Kontrabass, ob der ungewöhnlichen 5 statt 4 Saiten auch gelegentlich zum Cello mutiert, wunderbar demonstriert in „Blue Rose“.  Ob „Valse Musette“ aus dem Paris der 30iger Jahre , dem   Tango „Por una Cabeza“ aus Argentinien oder „Voy a Seguir“  berührend gespielt von Anja Baldauf auf ihrem Melodium – das Publikum ließ die Künstler nur ungern gehen. Nach einem tosenden Applaus gab es noch eine Zugabe, von Duke Ellington „caravan“.

28.9.2026

Dorothee Evers